Presse:
Informationen
zum aktuellen Geschehen im Waldkindergarten Erbach finden Sie wöchentlich im
„Erbacher Anzeiger“.
Die
Namen der Kinder und Eltern sind hier anonymisiert und die Fotos mit Fototexten
entfernt.
Im Waldkiga wird genutzt,
was die Natur hergibt
Auf dem Po die Erdrutsche
hinunter
Eltern und Kinder erleben
den Wald mit allen Sinnen
Zum Glühwein bei
Schneewittchen
Eine „Verlängerung der Kindheit“
Stöcke werden zu Angeln, ein Baum zum Schiff
Wir haben einen Waldkindergarten
Spaß im Wald – mit „jungen Räubern“
Die Vielfalt der Natur regt an
Spaziergänge im Wald zum Einstieg
Waldkindergarten will im Frühjahr 2001
beginnen
Kostenloses Grundstück für einen
Waldkindergarten
„Die Kinder lieben ihren Wald und sorgen sich
um ihn“
Adel edelt: Ein Wald vom Baron
Waldkindergärten in
Baden-Württemberg
Im Waldkiga wird genutzt, was
die Natur hergibt
Schwäbische
Zeitung 14.10.2005
ERBACH -
Welcher Kindergarten ist der richtige für mein Kind? Inmitten der verschiedenen
Angebote kann Eltern bei dieser Entscheidung schon einmal die Orientierung
verloren gehen. Die Schwäbische Zeitung stellt
deshalb die
verschiedenen Kindergarten-Typen in Ehingen und in der Region vor. Heute: der
als Verein geführte Waldkindergarten in Erbach.
Von unserer
Mitarbeiterin Bettina Müller
Lustig und
bunt geht‘s im Waldkindergarten in Erbach zu. Die Kinder sind hier viel
draußen.
Ein Waldstück zwischen Erbach und Eggingen ist der Arbeitsplatz
von Sandra Scheffold. Hier ist die Leiterin des Waldkindergartens Erbach mit
einer Gruppe von rund 15 Kindern, einer Erzieherin und zwei Praktikantinnen zu
finden. Zur Zeit dreht sich alles um Robin Hood. Es wird geschnitzt, gefeilt
und gebohrt, was die Natur eben hergibt. Mit ihren selbst geschnitzten Pfeilen
und Bögen fühlen sich die „Wälder“ fast wie der Held ihres Projekts.
Sandra Scheffold steht voll hinter ihrer Arbeit. Vor Jahren
arbeitete sie noch in einem Regelkindergarten. „Die Größe der Gruppen und damit
auch die Anonymität der Kinder machten mir zu schaffen“, erzählt die 32-
Jährige.,, Man kann sich bei 30 Kindern in einer Gruppe nicht auf das einzelne
Kind einstellen.“
Ganz im Gegensatz zum Waldkindergarten. Er bietet ideale
Voraussetzung, um sich intensiv mit jedem Kind und seinen Bedürfnissen auseinanderzusetzen.
„Die Kinder erleben hier ein extremes Miteinander“, erklärt Scheffold. „Für uns
ist die Gemeinsamkeit einfach besonders wichtig. Wir beginnen gemeinsam den
Tag, vespern gemeinsam und die Kinder werden gemeinsam von den Eltern abgeholt.
Diese Rituale geben den Kindern Halt und Sicherheit in der Gruppe.“ Und bei
Schmuddelwetter? Da zieht sich die Gruppe in einen alten
Zirkuswagen zurück. Ein kleiner Bollerofen verbreitet kuschelige Wärme, und in
gemütlicher Runde erzählt man sich Geschichten oder liest gemeinsam Bücher.
Auch einige Spiele liegen für solche „Notfälle“ parat —
schließlich betrachten sich die Befürworter der Waldpädagogik nicht als
absolute „Hardliner‘, sagt Vereinsvorsitzende Susanne Wucher. „Wir arbeiten
natürlich nicht ausschließlich mit Naturmaterialien. Wenn die Kinder mal ein
Buch lesen wollen oder Memory spielen möchten, geben wir auch dazu die
Möglichkeit.“ Ausflüge führen in die Bücherei oder zum Imker.
Wenn die
„Waldmaus“ friert
Die Eltern helfen im Waldkindergarten mit. Sie beschaffen
beispielsweise frisches Wasser zum Händewaschen und gewähren einer
durchgefrorenen „Waldmaus“ auch mal Unterschlupf in der warmen Stube.
Der Verein Waldkindergarten Erbach wurde 2000 von einer
Elterninitiative gegründet und ist seit April 2001 geöffnet. Finanziert wird er
durch Zuschüsse der Stadt, Kindergarten- und Vereinsbeiträge, Spenden sowie
Einnahmen bei Aktivitäten. Die ersten Waldkindergärten wurden in den 70er-
Jahren in Skandinavien gegründet.
Weitere Informationen gibt es bei Susanne Wucher, Bergstraße 12
in 89155 Erbach, Telefon 07305/23482, per E-Mail
(Info@WaldkindergartenErbach.de) oder im Internet unter
www.waldkindergarten-erbach.de.
Wochenzeitung:
„Info“ 19.10.2005
ERBACH (khb)
Seit über vier Jahren haben Erbacher Eltern die Möglichkeit, ihre Kinder in den
Waldkindergarten zu schicken. Ein Verein ermöglicht 20 Kindern, ihre
Kindergartenzeit in der Natur zu verbringen. INFO hat sich mit Sabine Wucher
aus dem Vereinsvorstand unterhalten.
Die Idee des Waldkindergartens, so Sabine Wucher, sei über 20
Jahre alt und stamme aus Nordeuropa. ‚Ende der 90er-Jahre, als man
Waldkindergärten noch als etwas Gesponnenes ansah, kamen Martina Weixler und
Martina Graf auf die Idee, in Erbach einen Waldkindergarten zu gründen“, sagt
Sabine Wucher. Im Juni 2000 gründeten zehn Elternpaare den Verein
‚Waldkindergarten Erbach“. Sabine Wucher teilt sich heute mit Ursula Matt im
Verein die Vorstandsarbeit.
In Vorgesprächen hatte sich Baron Konstantin von Ulm-Erbach für
die Idee begeistert und zugesagt, das notwendige Waldgrundstück zur Verfügung
zu stellen.
Am 1. April 2001 nahm der Waldkindergarten mit acht Kindern
seinen Betrieb auf, derzeit besuchen ihn 16 Kinder. Vorgeschrieben ist, dass
den Waldkindergarten maximal 20 Kinder besuchen dürfen, außerdem sind, ab 15
Kindern, drei Aufsichtspersonen notwendig. Die beiden Erzieherinnen Sandra
Scheffold und Katrin Braun werden unterstützt von der Praktikantin Jessica
Bergner.
Die Kinder werden das ganze Jahr über von ihren Eltern, montags
bis freitags, um 8.30 Uhr in den Wald gebracht und um 12.30 Uhr wieder
abgeholt. „Diese vier Stunden reichen völlig aus“, sagt Wucher, durch die
frische Luft und die viele Bewegung sind die Kinder am Nachmittag hundemüde.“
Zwei
Quadratkilometer großer Wald
Der Kindergartenwald ist etwa zwei Quadratkilometer groß. Das
Programm, das mit den Kindern absolviert wird, entspricht etwa dem anderer
Kindergärten, wird aber an verschiedenen Stellen im Wald vermittelt. Die Kinder
haben den Waldstücken verschiedene Namen gegeben: Krokodilswald, Sonnenwald
oder Nikolauswald“, so Wucher. Zur Aufbewahrung von Spielsachen und Material
steht ein umgebauter Zirkuswagen zur Verfügung. Spielgeräte, wie Schaukeln,
werden an Bäumen festgemacht. Klettergerüste sind nicht notwendig, denn zum
Klettern stehen genügend Bäume im Wald.
„Ich will, dass meine Kinder in der Natur aufwachsen‘, begründet
Sabine Wucher die Entscheidung für den Waldkindergarten. „Natürlich kommen die
Kinder oft dreckig heim, besonders wenn sie bei Regenwetter auf der
Matschrutsche spielen“, erzählt sie lachend.
Die Gebühren des Waldkindergartens sind genauso hoch wie in
anderen Erbacher Kindergärten, alle Eltern sind Mitglied im Trägerverein. Zu
den Elterngebühren kommt ein Zuschuss der Stadt Erbach, die restlichen Kosten,
in Gesamthöhe von rund 35 000 Euro jährlich, finanziert der Verein über Spenden
und verschiedene Aktionen, wie die Teilnahme am Stadtfest.
Auf dem Po die Erdrutsche hinunter
Südwest
Presse am 22.02.2005
ERBACH Schneespaß
pur haben derzeit die Kinder des Erbacher Waldkindergartens. Dass es im
Kindergarten auch ohne komfortables Gebäude bestens funktioniert, hat der
Erbacher Waldkindergarten beim Tag der offenen Tür am Samstag gezeigt. Nach
einem Begrüßungsspiel waren die Kinder bei den Spielen kaum zu bremsen. Im
Sinnesparcours mussten sie genau hinhören, schauen und fühlen. Vertrauen war
gefragt, als es galt, sich mit verbundenen Augen an einem Seil entlang durch
die Bäume zu tasten. Der Renner war die Erdrutsche. Die funktioniert am besten
ohne Schlitten und Bob: Auf den Po gesetzt und schon geht‘s bergab. „Die steht
das ganze Jahr im Mittelpunkt. Je schlammiger, desto lieber ist es den
Kindern“, erzählte Anton Häuptle aus Dellmensingen. Seine drei Töchter
besuchten den Kindergarten „Lila Villa“ in Dellmensingen, sein jüngster Sohn
Angelo geht in den Waldkindergarten. „Angelo braucht viel Platz zum Bewegen.
Und den findet er hier reichlich. Egal, wie kalt es ist und wie viel es regnet,
er möchte keinen Tag zu Hause bleiben“, sagte Häuptle. Zum Aufwärmen und für
die „Schreibtischarbeit“ steht den Kindern ein ehemaliger Zirkuswagen zur
Verfügung. 17 Kinder besuchen den Kindergarten im fünften Jahr seines
Bestehens, 20 kann er aufnehmen. „Damit haben wir Luft, falls jemand übers Jahr
zuzieht“, erklärte Susanne Wucher, Vorsitzende der als Verein geführten
Einrichtung. Sie ist zu erreichen unter Tel. (07305) 234 82. Information gibt
es auch unter www.wa1dkindergarten-erbach.de.
Eltern und Kinder erleben den
Wald mit allen Sinnen
Schwäbische
Zeitung am 21.02.2005
ERBACH (msl) —
Längst ist der „Tag der offenen TÜR“ beim Waldkindergarten Erbach auch für
Kindergartenfremde zur guten Gelegenheit geworden in den Revieren der Kleinen umher
zu streifen und an den Erfahrungen der „Waldkinder“ teilzuhaben. Sie schwelgten
am Samstag zusätzlich in einem „Sinnesparcours“.
Tasten, riechen, fühlen, hören und schmecken hieß es für
die kleinen Teilnehmer an den verschiedenen Stationen des „Sinnesparcours“, den
die beiden Erzieherinnen Renate Mayer und
Die Erwachsenen konnten derweil ihre Nasen von der guten Waldluft oder
alternativ vom obligatorischen Glühwein betören lassen. Auch das süß-herzhafte
Buffet gehört längst zu den guten Traditionen beim Waldtag, der in erster Linie
jedoch der Aufklärung dienen soll. „Für uns ist es wichtig vor allem Besuchern,
die nicht aus dem verwandtschaftlichem Umfeld der Kindergartenkinder kommen,
Gelegenheit zu geben, den Waldkindergarten umfassend kennen zu lernen“, erklärt
Susanne Wucher, eine der beiden Vereinsvorsitzenden.
Dass Aufklärung Not tut zeigten die Fragen der Besucher. „Eine Besucherin war
der festen Ansicht, im Winter sei der Waldkindergarten von Dezember bis März
geschlossen“, berichtet Wucher. Dass dem nicht so ist, zeigten die
Informationstafeln mit zahlreichen Fotos und den dazugehörige Erklärungen und
die ausführlichen Beschriftungen am „Tippi“, am „Bauwagen“ oder am
Eichhörnchenkobel. Auch die zum Gelände gehörende „Bobbahn“ wurde kräftig
gebraucht.
Ab März sind es 18 Kinder
Dass bei den etwa 80 Besuchern einige potenzielle Kindergartenkinder dabei
waren, freute den Verein besonders. „Ab März sind im Waldkindergarten 18
Kinder. Interessenten für das kommende Jahr sind schon bekannt“, freut sich
Wucher. Ebenfalls hocherfreut war Waldkindergartenteam über das Interesse an
den Waldspaziergängen, die in Kooperation mit der Volkshochschule Ulm angeboten
werden.
Zum Glühwein bei
Schneewittchen
Schwäbische
Zeitung am 02.02.2004
ERBACH (msl) -
Längst ist der Tag der offenen Tür, der eigentlich ein Tag der offenen
Waldpforte ist, zur guten Tradition im Waldkindergarten Erbach geworden. Über
100 Menschen kamen, um sich bei Waldquiz und Waldrundgang über die menschlichen
Waldbewohner zu informieren. Dabei stand die neue Behausung der Waldkinder, ein
ausgedienter Zirkuswagen, im Mittelpunkt des Interesses.
Richtig gemütlich ist es im neuen Wagen der Waldkinder.
Neben den kleinen Tischchen und Stühlen prasselt das Feuer in einem Bullerofen.
Wenn unversehens Schneewittchen um die Ecke käme, würde sich niemand wundern.
,,Das ist natürlich schon ein Super-Luxus-Teil“, freute sich Tina Weixler aus
dem Vorstand über die Neuanschaffung, die im September den bisherigen Bauwagen
ersetzte.
Da er fast doppelt so groß ist, können sich die Kinder
darin ungeniert zum Spielen, aber auch zum Malen oder Basteln ausbreiten. ,,Uns
ist es wichtig, dass bei den Kindern die Fähigkeiten, die im Regelkindergarten
besonders gefördert werden, ebenfalls nicht zu kurz kommen“, erklärte Weixler.
Nach dem Morgenkreis, mit dem die Kinder den Kindergartentag eröffnen und einem
etwa eineinhalbstündigen Freispiel im Wald, wird im Winter jeden Morgen das
gemeinsame Vesper im Wagen eingenommen.
,,Wenn es Schnee gibt, kann man auch im Freien vespern.
Ooch bei Schmuddelwetter ist es ganz gut, beim Essen ein Dach über dem Kopf zu
haben“, erklärt Erzieherin
Da gibt es Regen-, Sonnen-, Gewitter- und die
Schneegruppen, die sich gegenseitig ihre meteorologischen Erkenntnisse
zuspielen. Zum Arbeiten in der Gruppe wird häufig auch das Tipi Zelt genutzt,
das allerdings nicht beheizbar ist. ,,Wenn die Kinder in Bewegung sind, klagen
sie kaum über Kälte“, weiß Hartmann.
Bei bestem Wetter gab es beim Tag der offenen Tür für die
Kinder und ihre Gäste allerdings höchstens nasse Füße. Dennoch wurde von den erwachsenen
Besuchern vom über dem offenen Feuer erhitzten Glühwein rege Gebrauch gemacht.
Helmut Kilb aus dem Vereinsvorstand des Waldkindergartens resümierte kurz die
vergangenen drei Jahre. ,,Die ersten vier Kinder aus dem Waldkindergarten sind
im Herbst ohne Übergangsprobleme eingeschult worden“, unterstrich Kilb.
Waldkinder als
Ratgeber
Nach dem Begrüßungslied, in dem sich die Kinder in
fröhliche Schnee-männer verwandelten, hieß es ,,Start frei“ für das Waldquiz,
das Wissen über den Waldkindergarten und seine Umgebung abfragte. Außerdem galt
es, ,,ein Kilo Baum“ zu sägen, Tierstimmen zu erraten und das Baumalter zu
schätzen. Die Waldkinder durften zur Beratung hinzugezogen werden.
Südwest
Presse am 04.02.2004
Auch die Väter
sind im Waldkindergarten Erbach sehr aktiven Dies wurde beim ,,Tag der offenen
Tür“ deutlich, als das neue Zuhause vorgestellt wurde.
FRANZ GLOGGER
ERBACH · Mit einem ,,Tag der offenen Tür“ hat der Erbacher
Waldkindergarten sein neues Zuhause vorgestellt. Es handelt sich uni einen
ausgedienten Zirkuswagen, der mehr als doppelt so viel Platz bietet wie der
bisherige Bauwagen. ,,Jetzt sind Garderobe und Spielbereich getrennt. Wir
haben sogar Platz für ein Bücher- und Spieleregal“, freute sich Leiterin Renate
Mayer. Der von Vätern komplett renovierte und im Herbst aufgestellte Wagen habe
sich inzwischen prima bewährt.
15 Kinder besuchen zurzeit den Kindergarten, der als
Verein geführt wird. Die pädagogische Betreuung übernehmen zwei Erzieherinnen
und in diesem Jahr eine Praktikantin. ,,Die zusätzliche Kraft tut der Arbeit
gut. Unsere Töchter sind total begeistert“, sagte Gebhard Stöferle.
Für die Väter ist der Waldkindergarten keine reine
Frauensache. Die regelmäßigen Arbeitseinsätze nutzen sie, um sich gegenseitig
zu informieren. Unter dem Motto ,,Väter helfen Vätern“ tauschten sie vor
kurzem Erfahrungen über Erziehung, den Kindergarten- und den Schulalltag aus.
,,Wir standen wie in der Bronx bis nachts um zwei Uhr an einem Feuerfass“,
erinnerte sich Peter Gall.
Die Besucher des ,,Tages der offenen Tür“, die das erste
Mal das Revier des Erbacher Waldkindergartens sahen, waren sich einig: ,,Eine
gute Sache.“
Südwest
Presse am 15 Mai 2002
Trotz Engpässen in Erbach und Dellmensingen habe die
Gemeinde unter dem Strich genügend Kindergartenplätze. Das ist das Fazit des
Kindergartenberichts. Wenn es künftig weniger Kinder gibt, sollen sich die
Einrichtungen öffnen für unter Dreijährige und behinderte Kinder.
PETRA LAIBLE
ERBACH Kindergärten spielen bei der Erziehung und
Integration der Kinder in eine Dorfgemeinschaft eine wichtige Rolle und sind
ihr Geld wert. Da waren sich alle Gemeinderäte des Verwaltungsausschusses
einig, als am Montag der Klndergartenbericht 2002 vorgestellt wurde. Klar war
auch, dass sich die Kindergärten den Erforderniesen der Zeit anpassen müssen.
Hans Seemann forderte, für neue Betreuungsformen aufgeschlossen zu sein. Nur so
sei es möglich, Familie und Beruf zu verbinden.
In diese Richtung werden in Erbach kleine Schritte
gemacht. Beispiele: Die Kindergärten schließen in den Sommerferien nacheinander,
damit eine durchgehende Betreuung möglich ist. Wo es freie Plätze gibt. werden
auch Schulkinder aufgenommen. Ab Herbst 2003 wird es in der Jahnstraße eine
Ganztagesgruppe geben, mittelfristig sei
der ganze Kindergarten als Ganztageslösung vorgesehen. Wenn es, wie
vorhergesagt immer weniger Kinder gibt, könnten die Einrichtungen geöffnet
werden für unter Dreijährige, behinderte und verhaltensauffällige Kinder, sagte
Hauptamtsleiter Dieter Grupp, der den Bericht vorstellte.
Derzeit habe die Gemeinde 614 Plätze, informierte Grupp.
Das sei ausreichend — wenngleich es in Erbach und Dellmensingen Engpässe gebe.
Am meisten Anmeldungen gebe es naturgemäß für den Kindergarten in der
Jahnstraße, direkt am Wohngebiet. Da sich die Situation dort auch nach
Schulbeginn nicht entschärft, werde die Verwaltung lenkend eingreifen, sagte
Gruppe. Künftig sollen die Kinder aus dem Wernauer Weg in den viergruppigen
Kindergarten Auf der Wühre gehen. Eine Außengruppe des Kindergartens
Jahnstraße befindet sich bereits in der Jahnschule. Diese wird aufgelöst, wenn
im Herbst 2003 der neue Kindergarten in Betrieb geht.
In Bach steigt die Zahl der Kinder, ab Juni wird dort
zusätzlich eine Kleingruppe eingerichtet. Kosten für den Bau: 32 500 Euro.
In Dellmensingen fehlen bis Ende 2004 17
Kindergartenplätze, weil es mehr Kinder gab als angenommen. Die Verwaltung hat
zwei Vorschläge: Im Kindergarten Lila Villa könne der Mehrzweckraum als zweiter
Gruppenraum eingerichtet werden. Denkbar ist auch, eine vorübergehende
Erhöhung der Gruppenstärke zu beantragen.
Die Kleingruppe in Donaurieden wurde eingestellt, in
Anbetracht der Kinderzahlen werde sie auch künftig nicht mehr erforderlich
sein.
Der Ersinger Kindergarten hat seit Herbst 2000
altersgemischte Gruppen, es werden zusätzlich neun Schulkinder mitbetreut.
Wegen der geringen Kinderzahlen wurde die
Betriebserlaubnis des Kindergartens in Ringingen geändert. Eine Gruppe nimmt
auch Schulkinder auf.
Aufwachsen
in der Natur
Neben dem kommunalen und dem kirchlichen Kindergarten
gibt es in Erbach den Waldkindergarten. Ein Trägerverein hat ihn im April 2001
ins Leben gerufen. Er beschäftigt zwei Erzieherinnen. Elf Kinder aus Erbach,
Bach und Dellmensingen besuchen ihn derzeit. Martina Weixler und Martina Graf
vom Vorstand berichteten im Verwaltungsausschuss über ihre Erfahrungen. ,,Die
Kinder leben sehr intensiv mit der Natur“, sagte Weixler. Langweilig werde es
ihnen nie, sie spielen, basteln, malen — vorgefertigte Spielsachen gibt es im
Waldkindergarten nicht. Schlechtes Wetter mache den Kleinen nichts aus, sie
seien auch nicht häufiger krank als andere. Die Schlammrutsche bei Regen sei
beispielsweise äußerst beliebt. Außerdem gibt es auch einen Bauwagen als
Aufenthaltsraum. Über das Jahr hinweg laufen Projekte
wie im Regelkindergarten auch. Zudem sind die Erzieherinnen ständig in Kontakt
mit Jäger und Förster Das Fazit von Weixler und Graf: Kinder, Eltern und Erzieherinnen
sind sehr zufrieden. Und für kommendes Jahr gebe es weitere fünf Anmeldungen.
Eine „Verlängerung der
Kindheit“
Süddeutsche
Zeitung im Januar 2002
ERBACH
(fg) Der Tag der offenen Tür des Erbacher Kindergartens am Samstag hat Besucher
zuhauf angezogen. Erzieherinnen schauten vorbei und Eltern mit Aspiranten.
Manche brachten auch die Großeltern mit.
Selten hat das Waldstück ,,Brand“ am Weg zwischen Erbach
und Eggingen soviel Besucher gesehen. 80 Erwachsene durften an der Wegschranke
vorbei, die sonst nicht überschritten werden darf. Eine fast noch einmal so
große Schar Kinder sorgte für die entsprechende Geräuschkulisse. Sie tobten
über die Wiese, gingen mit auf den Waldspaziergang und sausten die
Schlammrutsche hinunter. ,,Da sind sie abends ordentlich müde“, befand eine
Seniorin. Die Schlammrutsche hingegen ließ eine Oma nicht lange rätseln:,,Na,
die werden abends nett aussehen.“
Diese Folgen lassen Herrn X nur schmunzeln. Seine Tochter
Y besucht den Waldkindergarten, seit dieser im April vergangenen Jahres
gegründetworden war. Bereits wenige Tage nach dem Beginn von Ferien vermisse
seine vierjährige Tochter den Wald-Kiga. Wenn sie mittags nach Hause käme, brauche
sie zwar erst eine Ruhepause, sei aber sehr ausgeglichen. Bei längeren
Spaziergängen habe er das Gefühl, dass sie überhaupt nicht müde werde. ,,Wir
haben die Entscheidung noch keinen Tag bereut“, sagte Herr X. Y’s Schwesterchen
Z ist für den Herbst angemeldet.
Was sie dort erwartet, darüber informierte der Verein
unter anderem mit einem Waldspaziergang. Fast die Hälfte der Besucher machte
sich mit Erzieherin Renate Mayer auf den Weg. Vier Waldstücke hat Constantin
von Ulm-Erbach zur Verfügung gestellt. Dazu nutzt der Kindergarten eine Wiese
in unmittelbarer Nähe. Jeder Teil rege die Kinderzu anderen Spielen an. Auf der
Wiese werde im Sommer gepicknickt, in einem Areal werde die Schiffahrt geprobt,
in einem anderen Häuser und Burgen gebaut. Das Material dafür sind Reste von
Holzarbeiten. Die Kinder seien von langenSpaziergängen nicht immer begeistert,
gestand Mayer ein. Seien sie aber erst einmal unterwegs, werde gespielt, getobt
und ,,tausend Dinge“ entdeckt. Ein weiteres Thema war auch die Sicherheit. So
müssten die Kinder in der entsprechenden Jahreszeit täglich nach Zecken
abgesucht werden‘ erklärte Herr X. Zum Schutz vor Fuchsbandwurm, giftigen
Pflanzen und Pilzen gelte das strikte Verbot, etwas aus dem Wald zu essen.
Kot-Reste würden die Kinder sofort erkennen, einer Erzieherin melden, die diese
dann entfernt, berichtete eine Mutter.
So schreckte dies auch Herr und Frau X nicht ab. ihre
Tochter Y für den Herbst anzumelden. „Y ist sehr aktiv, da ist der
Waldkindergarten genau das richtige“, sagen die Eltern. Er sei eine Art
„Verlängerung der Kindheit“, obwohl auch dort Vorschularbeit geleistet wird.
,,Außerdem habe ich schon als Kind hier gespielt“, meinte Herr X schmunzelnd.
,,Wir haben noch Plätze frei“, ermunterte Vorsitzende Martina Graf die Interessenten.
Der Erbacher Wakikindergarten informiert ausführlich im
Internet unter wvww.waldkindergarten-erbach.de.
Stöcke werden zu Angeln,
ein Baum zum Schiff
Südwest
Presse 1.8.2001
Sieben Kinder besuchen
seit April den Waldkindergarten im Erbacher „Brand“
Sieben
Kinder besuchen seit April den Waldkindergarten im Erbacher Waldstück
"Brand“. „Spielen, Toben, Basteln und Singen macht im Wald so richtig
Spaß“, darüber sind sich Kinder, Eltern und die Erzieherin Renate Mayer einig.
HELGA STEINLE
ERBACH
Pünktlich um 8.30 Uhr stapfen täglich sieben Drei- bis Vierjährige vom
Parkplatz beim Waldstück“Brand“ zwischen Erbach und Eggingen in Richtung Wald.
An der Waldschranke werden sie von ihrer Erzieherin Renate Mayer erwartet. X
drückt ihrer Mutter schnell einen Kuss auf die Wange, klettert unter der
Schranke durch und verschwindet mit A, B, C sowie D, E und F im Wald. Am
selbsteingerichteten Bauwagen legen Kinder und Erzieherinnen ihre Rücksäcke ab
und bilden den Morgenkreis, der mit einem Lied oder einer Geschichte auf den
Tag einstimmen soll. Danach ist
"Freispielzeit“. Da es im Wald keine vorgefertigten Spiel- und
Bastelmaterialien gibt, sind Phantasie und Kreativität der Kinder gefragt.
Spiele werden erfunden. Die Themen orientieren sich an Jahreszeiten und
Situationen. So haben sich die Kinder in den vergangenen vier Monaten selbst
ihren Bereich "eingerichtet“,in dem sie die Natur auf eigene Faust
entdecken. Dazu werden Materialien gesammelt, und dessen
Verwendungsmöglichkeiten erforscht. Ein umgestürzter, halb verotteter Baum ist
ein Piratenschiff, geschmückt mit selbstgebastelten und bemalten Flaggen. Der
Lieblingsspielort ist unverkennbar die ,,Mulde“, zu erreichen über eine
glitschige Erdrutsche. Stöcke werden zu Angeln, Blätter zu Fischen und Pfützen zu Teichen. Ein Baumstumpf wird Tisch
oder Herd, zu essen gibt es Bucheckern, Eicheln und Steine. Lehm eignet sich
für bildhaftes Gestalten: Blüten, Blattgrün und Erde als Farben, Tannenzapfen
werden zu Puppen, und Blätter zu ihren Kleidern.
Regen regt Thema an
,,Die Ideen kommen ganz allein von den Kindern“; sagt
Renate Mayer. ,,Mit ihren Fragen und ihrem Interesse regen die Kinder mich zu
Schwerpunktthemen an“, erklärt die Erzieherin. So haben die nasskalten Tage im April
der Gruppe das Thema, Wasser“ nahegelegt. Die Waldkindergarten-Kinder falteten
Boote, sprachen über das Wetter und den Regen und schauten dazu passende Bücher
an. In einem am Waldrand gelegenen Biotop beobachteten die Kinder Wassertiere
und zogen kleine Kaulquappen auf. Aus der Neugier der Kinder entstand
schließlich auch das Projekt,,Schnecke“: Anhand eines Schneckenbuches
bestimmten die Kinder die einzelnen Kriechtiere im Wald. ,,So können die Kinder
die Natur und ihre Umwelt nicht als etwas abstraktes, theoretisches erfahren,
sondern Lebewesen hautnah erleben, was sie zum verantwortungsvollen Umgang mit
der Natur anregt“, sagt die Erzieherin. Derzeit befassen sich die Kinder mit
Steinen. Sie fanden viele Gesteinsarten in verschiedenen Größen. Daraus
entstanden Steinketten und eine Steinmauer.
Im Juli 2000 wurde der Verein Waldkindergarten Erbach
gegründet. Seit 2. April dieses Jahres findet der Kindergarten im Wald statt.
Renate Mayer und Sandra Scheffold, die Erzieherinnen, betreuen zusammen mit dem
Elternmitgehdienst zur Zeit die sieben Kinder. Bis nächstes Jahr wird die
Gruppe auf zehn Kinder anwachsen.
Der Waldkindergarten finanziert sich durch Zuschüsse von
Land und Gemeinde, Kindergartenbeiträge, Spenden und Einnahmen aus
Vereinsaktivitäten. Betreut werden die Kinder montags bis freitags von 8.30 Uhr
bis 12.30 Uhr. ,,Das Engagement lohnt sich, darüber sind sich alle Eltern
einig, sagt Tina Weixler, die den Waldkindergarten mit ins Leben rief. Kinder
wie Eltern seien begeistert vom Waldkindergarten.
INFO
Interessierte können sich unter Tel. (07305) 75 00 bei
Martina Graf oder unter (07305) 233 91 bei Tina Weixler meiden. Weitere
Informationen liefert auch die Homepage: www.waldkindergarten-erbach.de
Wir haben einen
Waldkindergarten
Erbacher Gemeindeblatt 05.04.2001
Erholung und frische Luft
im Wald, das gefällt vielen. Aber einen Kindergarten bei gutem und schlechtem
Wetter das ganze Jahr über im Wald zu betreiben, das erfordert schon einiges an
Vorstellungskraft und Naturverbundenheit. Bei strahlendem Sonnenschein haben
sieben Kinder (fünf aus Erbach und zwei aus Dellmensingen) mit ihrer Erzieherin
Renate Mayer und der Mitarbeiterin Sandra Scheffold am vergangenen Montag den
Waldkindergarten Erbach begonnen. Weit über 50 Waldkindergärten gibt es im
Bundesgebiet. Nun auch einen in Erbach. Möglich wurde dies durch das
außergewöhnliche Engagement zahlreicher Eltern. In Eigeninitiative haben sie
Gleichgesinnte und Gönner gefunden, die notwendigen Genehmigungen eingeholt und
eine Unmenge an Arbeit in dieses Projekt gesteckt. Sie sind ein Paradebeispiel,
wie in unserer Gemeinschaft durch Initiative und durch Einbringen etwas
erreicht werden kann. Ein solches Vorhaben benötigt auch das Wohlwollen vieler.
So gilt Dank allen, die in irgendwelcher Form das junge Projekt
Waldkindergarten und seinen Trägerverein unterstützen. Der Waldkindergarten
Erbach ist eine Bereicherung unseres Angebotes in der Gemeinde für die Kinder
und Jugendlichen. Wir wünschen einen guten Start und viel Begeisterung für alle
zum Wohl der Kinder.
Paul Roth ,Bürgermeister
Spaß im Wald – mit
„jungen Räubern“
Süddeutsche Zeitung 15.02.2001
ERBACH — Voller Spannung
warten acht Kinder, vor allem jedoch ihre Eltern und die anderen
Vereinsmitglieder des Erbacher Waldkindergartens auf den 2. April. Von diesem
Tag an soll regelmäßig von 8.30 bis 12.30 Uhr im Waldstück "Brand“
gespielt werden.
Von unserer Mitarbeiterin
Marianne Schneider-Langer
Die neue Erzieherin, Renate
Mayer konnten Kinder und Eltern schon kennen lernen. Natürlich im Wald! Wippe,
Tippi (Indianerzelt) und Waldsofa stand noch von den ersten Exkursionen im
letzten Halbjahr parat. Da wurde geklettert, gewippt und vor allem gesammelt.
Schmutzige Hände? Kein Problem, denn noch steht ja Mamas Hosenbein zur
Verfügung. Vor dem gemeinsamen Vesper werden die Hände allerdings gründlich mit
Wasser aus dem Kanister gewaschen. Kleine Sitzkissen gibt es auch auf dem
mitgeführten Leiterwagen und schon kann man es sich auf dem Waldsofa bequem
machen;
Tina Weixler
und Martina Graf, Initiatorinnen und Vereinsvorsitzende‘ freuen sich über die
Begeisterung von Kindern und Eltern. ,,Wir haben im vergangenen Halbjahr
zahlreiche Anfragen — auch aus anderen Gemeinden bekommen. Viele Kindergärten
wollen Waldprojekte organisieren und baten um Literaturtipps oder
Kontaktadressen“, berichtet Weixler stolz. Das Thema Natur sei auch in den
normalen Kindergärten ein bisschen angestoßen worden. Sechs Bewerbungen von
Erzieherinnen gingen ein; Renate Mayer und Sandra Scheffold bekam den Zuschlag.
,,An zwei Vormittagen werden beide Erzieherinnen da sein". Dreimal stellen
die Eltern die zweite Aufsichtsperson“‘ erklärt Weixler Zwei Kinder könnten
momentan noch aufgenommen werden, die Zahl zehn soll jedoch im ersten Halbjahr
nicht überschritten werden.
Constantin Freiherr von
Ulm-Erbach, der Besitzer des Waldes, hatte im Erbacher Gemeinderat die Idee
"Waldkindergarten“ angesprochen. Selbst Vater von vier Kindern freut er
sich sichtlich über das Gewusel zwischen den Bäumen: ,,Da geht einem richtig
das Herz auf, wenn man das sieht“, freut er sich.
Jagdpächter Herbert
Drinsinger kann sich einer gewissen Skepsis nicht erwehren "man wird
abwarten müssen, inwieweit das Wild durch die Kinder gestört wird. Solange die
Kinder nicht im ganzen Wald herumtollen, sehe ich noch kein großes Problem“.
Rehe, Füchse, Hasen, Dachse, auch ab und zu einer Wildsau seien hier
anzutreffen. “Gejagt wird allerdings nie am Morgen. Von daher gibt es keine
Probleme“, erklärt Drinsinger.
Die Kinder sind inzwischen
in der "Küche“ und kochen auf ihren Baumstumpfherden "Knödel“ und
"Pizza“. Der lehmige Waldboden bietet "Teig“ in Massen, und so machen
auch die Mütter mit. ,,Gnocchi“ und "Schnupfnudeln“ gibt‘s bei Muttern. Da
war nicht einfach zu unterscheiden, wer den größeren Spaß hat.
Süddeutsche
Zeitung 15.02.2001
ERBACH (sz) Am 2. April
eröffnet in Erbach ein Waldkindergarten. DieTeilnehmer stehen mittlerweile
ebenso fest, wie die Erzieherinnen.
Renate Mayer und Sandra
Scheffold wird zusammen mit einem Elternteil die Kinder betreuen. Um
wissens-mäßig fit für die neue Aufgabe zu sein, absolviert Erzieherin Renate
Mayer derzeit ein sechswöchiges Praktikum beim staatlichen Forstamt.
Erste Probe-Exkursionen mit
den Kindern fanden bereits statt. Überaus angetan von dem Projekt ist neben den
Eltern auch Constantin Freiherr von Ulm-Erbach, der für dieses Vorhaben sein
Waldstück "Brand“ zur Verfügung stellt. Allenfalls die Jagdpächter sorgen
sich etwas ums Wild. Kollisionen mit den Jägern gibt‘s dennoch nicht, denn
diese gehen nicht zur Kindergartenzeit auf die Pirsch.
AN DONAU UND Iller
Die Vielfalt der Natur regt an
Südwest Presse (
Sonderbeilage Erbacher Anzeiger Spezial ) 16.08.2000
PROJEKT / Erbacher Verein
stellt sich vor
Waldkindergarten
baut Stress ab
Wer etwas über den neuen
Verein "Waldkindergarten Erbach“ wissen möchte, kann sich am Sonntag, 20.
August, auf dem "1. Erbacher City-Feschtle“ direkt bei den Initiatorinnen
Martina Graf und Martina Weixler informieren.
HELGA STEINLE
In einem idyllischen
Mischwald zwischen Erbach und Eggingen liegt das Grundstück, das Constantin
Freiherr von Ulm-Erbach dem am 17. Juli neugegründeten Verein
,,Waldkindergarten Erbach“ zur Verfügung stellt. Der Waldkindergarten soll im
Frühjahr 2001 starten. Die Elternbeiträge sollen den anderen Erbacher
Kindergärten angeglichen werden.
Geplant ist, dass die
Kinder des Waldkindergartens sich täglich drei bis vier Stunden in "ihrem“
Wald beschäftigen. Für extreme Witterungsverhältnisse steht eine Hütte oder ein
Bauwagen zur Verfügung. Neue Erfahrungen konnten die Kinder bereits bei der
ersten Waldführung Ende Juli machen. 20 Kinder, teils zu Fuß, teils noch in den
Rückentragen ihrer Mütter, erkundeten mit den beiden Initiatorinnen den Wald.
Die Doppelspitze des
Vereins, Martina Weixler und Martina Graf, ist begeistert von dem neuen
pädagogischen Konzept. Der Waldkindergarten hat einen festen Tages-, Wochen- und
Jahresrhythmus. Be stimmte Haltepunkte, Spielorte sowie Ruhe- und Aktionskreise
der Gruppe geben den Kindern einen inneren und äußeren Halt. Weixler und Graf
erhoffen sich von dem Vereins-Konzept viele Vorteile für die Entwicklung der
Kinder: Sehen, Hören, Riechen, Fühlen und Tasten werde durch die Umgebung im
Wald besonders angeregt. Je vielfältiger sensorische Funktionen geübt würden,
umso sicherer werde das Kind in seinen Bewegungen und umso besser gelinge ihm
die Auseinandersetzung mit sich und seiner Umwelt. Auch das Selbstwertgefühl
werde so gestärkt.
Im Wald spielend lernen
Auf Bäume klettern,
Material zum Bauen sammeln und über Gräben springen trainieren die
Bewegungsabläufe. Fingerfertigkeit, die später auch in der Schule benötigt
wird, erlernen die Kinder spielend bei Tätigkeiten wie Schnitzen und Werken mit
Waldmaterialien. Die Feinmotorik etwa ist besonders beim Sammeln von Früchten,
beim Ertasten von Moos, Gras oder Baumrinde gefordert.
Die Vorteile des neuen
Konzepts liegen für Weixler und
Graf auch darin, das die
Kinder im Wald in den verschiedensten Situationen aufeinander angewiesen sind.
Sie lernten dabei wie von selbst Rücksichtnahme und Verständnis für andere,
eigene Interessen zu erkennen und zu vertreten, Geduld zu haben und auch zuzuhören.
Der Wald gibt den Kindern
unendlich viel unstrukturiertes Spielmaterial. Gespielt wird mit dem, was
vorgefunden wird. Diese Vielfalt rege die Phantasie an und fördere sie. Die
Kinder handelten schöpferisch und könnten im Spiel technische Fertigkeiten
erwerben.
Die Kinder würden ihren
Wald lieben und sich schließlich auch um ihn sorgen. Müll trennen sei zwar
wichtig, schaffe jedoch noch keine Nähe zur Natur. Im Wald dagegen könne die
Natur unmittelbar erlebt und begriffen werden. Der behutsame Umgang mit jeder
Art von Leben werde
Dadurch erfahren und
gelernt. Der Kreislauf der Natur werde direkt wahrgenommen und erlebt.
Wind und Wetter ausgesetzt
zu sein stärke zudem das Immunsystem. Durch die vielfältigen
Bewegungsmöglichkeiten im Wald werde die Muskulatur gestärkt, Haltungsschäden
vorgebeugt und Stress abgebaut. Die Kinder seien ausgeglichener und
zufriedener, weil es den Kindern im Wald ebenso möglich sei, ihrem großen
Bewegungsdrang nachzukommen wie auch die Stille der Natur zu erleben.
Erste Kontakte knüpfen
Damit Eltern und Kinder
sich ein Bild von einem Waldkindergarten machen können und sich zukünftige
Waldkindergarten-Kinder schon ein bisschen mit ihrer neuen Umgebung vertraut
machen können, haben die Initiatorinnen Waldspaziergänge mit gemeinsamen
Aktivitäten organisiert. ,,Hier können die Kinder auch gleichzeitig ersten
Kontakt mit Spielkameraden knüpfen“, sagt Graf.
Voraussetzung für die
Spaziergänge sei allerdings gutes Schuhwerk und waldtaugliche Kleidung.
Ebenfalls ganz wichtig: Eine Vesper — denn Waldluft macht ja bekanntlich auch
ordentlich Hunger.
Die
Waldspaziergänge finden bei jedem Wetter immer von 9.30 bis 11 Uhr statt, und
zwar
Am
22.8/5.9/19.9. und am 4.10.2000. Treffpunkt ist jeweils um 9.30 Uhr der
Parkplatz beim —Waldstück "Brand“ rechts der Straße zwischen Erbach und
Eggingen. Jeder, der sich für den Waldkindergarten interessiert, ist herzlich
eingeladen. Infos gibt‘s beim "1. Erbacher City-Feschtle“ beim Stand des
,,Waldkindergarten Erbach“ sowie bei Martina Weixler, m 07305/23391 oder
Martina Graf, 07305/7500.
„Ja“ zur Alternative
Südwest Presse 29.11.2000
Der Erbacher
Waldkindergarten soll genau so bezuschusst werden wie örtliche
Regelkindergärten. Erbachs Gemeinderäte begrüßen das neue Betreuungsangebot
einhellig.
CHRISTOPH MAYER
ERBACH ·Mit
einem jährlichen Zuschuss von 2800 Mark je belegtem Platz - die gleiche
Pauschale erhalten örtliche Regelkindergärten - unterstützt Erbach den von
einer privaten Initiative geplanten Waldkindergarten. Einstimmig hat der
Gemeinderat am Montag beschlossen, im Haushaltsplan 2001 Mittel in Hohe von 42
000 Mark bereit zu stellen.
Die Zahlungen sind an
Bedingungen geknüpft: Erbach behält sich ein Mitbestimmungsrecht in Gebühren-
und Personalangelegenheiten vor. Entfällt der Landeszuschuss, streicht auch die
Gemeinde die Mittel. Außerdem gilt die Entscheidung nur befristet. Wenn -, wie
geplant -in wenigen Jahren ein weiterer Regelkindergarten öffnet, wird über den
Zuschuss neu verhandelt.
Sprecher aller Ratsfraktionen
begrüßten das neue Angebot. Es trage zur Steigerung der Attraktivität Erbachs
bei, sagte etwa Elmar Röhr (SPD). Bürgermeister Paul Roth nannte den
Waldkindergarten "ein echtes Beispiel dafür, dass man auf kommunaler Ebene
etwas bewegen kann, wenn man sich engagiert“.
Nach Angaben der
Elterninitiative will der Verein im April 2001 den Betrieb aufnehmen. Ein
kostenloses Grundstück steht bereits zur Verfügung. Im Gegensatz zu
Regelkindergärten verbringen die Kinder den Vormittag ausschließlich im Freien.
Bisher gibt es etwa l5 Anmeldungen.
Spaziergänge
im Wald zum Einstieg
Südwest
Presse 21.7.2000
Start im Frühjahr 2001
Die Initiative
"Waldkindergarten Erbach“ hat bald Ihr Ziel erreicht. Im Frühjahr sollen
die ersten Kinder den Waldkindergarten in der Gemeinde besuchen können.
HELGA STEINLE
ERBACH · Martina
Weixler und Martina Graf schwebte schon seit längerer Zeit vor, dass in Erbach
ein Waldkindergarten geschaffen wird. Es gab Vorverhandlungen mit der Gemeinde
und natürlich Sitzungen im Gemeinderat. Schließlich stellte Freiherr Constantin
von Ulm-Erbach ein Waldstück zur Verfügung. Nun hat das Projekt eine weitere
Hürde genommen: Ein Förderverein wurde gegründet.
Bei der
Gründungsversammlung des Fördervereins Waldkindergarten-erbwach, die in der
Erbacher Realschule stattfand, wurden die beiden Initiatorinnen Martina Weixler
(sie hat drei Kinder im Alter von drei, fünf und sieben Jahren) und Martina
Graf (zwei Kinder, vier und neun Jahre) als gleichberechtigte Vorsitzende
einstimmig an die Doppelspitze des neugegründeten Vereins gewählt.
Betreuungsbeiträge
Als Beisitzer wurden Anton
Ruf, Sylvia Adrion und Susanne Wucher gewählt. Kassenwart wurde Helmut Kilb und
Schriftführerin Regina Ritz. Der jährliche Mitgliedsbeitrag wurde auf 40 Mark
festgesetzt. Ein wichtiger Punkt der Vereinssatzung besagt: Bei einer
eventuellen Auflösung des Vereins werden die Ersparnisse für eine Einrichtung
mit gleicher Zielsetzung an die Gemeinde Erbach gehen. Alle Mitglieder deren
Kinder den Waldkindergarten
besuchen, müssen darüber
hinaus die Kinderbetreuungskosten bezahlen. Diese sollen den
Kindergartenelternbeitragen der anderen Erbacher Kindergärten angeglichen
werden.
Voraussichtlich wird der
Waldkindergarten mit anfänglich zehn Kindern im März/April 2001 starten können.
Das Grundstück, das Freiherr Constantin von Ulm-Erbach dem Verein kostenlos zur
Verfügung stellt, ist ein idyllisches Wald-stück, genannt "Brand“, das aus
einem Mischwald besteht. Es ist nicht bewirtschaftet und liegt in Richtung
Eggingen.
„Erste Kontakte“
Damit Eltern und Kinder
sich ein Bild von einem Waldkindergarten machen können und sich zukünftige
Wald-Kindergarten-Kinder schon ein bisschen mit ihrer neuen Umgebung vertraut
machen können, haben die beiden Initiatoren Waldspaziergänge mit gemeinsamen
Aktivitäten organisiert. ,,Hier können die Kinder auch gleichzeitig erste
Kontakte mit ihren neuen Spielkameraden knüpfen“, sagt Martina Graf.
Voraussetzung ist allerdings: Gutes Schuhwerk und "waldtaugliche“
Kleidung. Ganz wichtig: Ein Vesper - denn im Wald bekommt man meistens auch
ordentlich Hunger.
Die
Waldspaziergänge finden bei jedem Wetter am 25. Juli 22. August. 5.119.
September und 4. Oktober
-statt
(9.30 Uhr bis 11 Uhr). Treffpunkt ist jeweils um 9.30 Uhr am Parkplatz beim
Waldstück "Brand“ rechts der Straße zwischen Erbach und Eggingen. Infos
über den Waldkindergarten geben es bei: Martina Weixler und Martina Graf.
Waldkindergarten
will im Frühjahr 2001 beginnen
Schwäbische
Zeitung 19.7.2000
ERBACH — die erste große Hürde hat der seit geraumer Zeit geplante Waldkindergarten Erbach genommen. Am Montag fand mit 16 Gründungsmitgliedern der Vereinsgründung statt. Erwartungsgemäß wurden die beiden Initiatorinnen Martina Graf und Martina Weixler in den Vorstandsamt gewählt.
Von unserer Mitarbeiterin
Marianne Schneider-Langer
Das Besondere an der Vereinsspitze
ist die Gleichberechtigung der beiden Vorstands-Ämter. ,,Wir haben uns bemüht,
die Verantwortung und die Arbeit auf möglichst viele Schultern zu verteilen“,
erklärt Weixler. So wurden neben Kassenwart Helmut Kilb und Protokollführerin
Regina Ritz Anton Ruf, Sylvia Adrion und Susanne Wucher als Beisitzer in den
erweiterten Vorstand gewählt.
Anton Ruf stellte die vierseitige
Vereinssatzung vor. ,, Der Vereinszweck ist die Gründung und der Betrieb eines
Waldkindergartens. Der Verein ist für die finanziellen, organisatorischen und
pädagogische Belange zuständig sowie für die Planung, die Realisierung und
Weiterentwicklung des Waldkindergartens“
legt die neue Satzung fest. Auch das pädagogische Konzept wurde kurz umrissen:
,,Bildung und Erziehung in der freien Natur, wobei die ganzheitliche Erfahrung
von Natur im Vordergrund steht.“
Wichtig ist dem Verein die
Einbindung der Eltern. “Bei Personalentscheidungen und bei Entscheidungen zum
pädagogischen Konzept ist auch der Elternbeirat stimmberechtigt.“
Der Jahresbeitrag wurde auf 40 Mark
festgelegt, bei Ehepaaren oder eheähnlichen Gemeinschaften ist der Partner von
der Beitragszahlung befreit. Martina Graf unterstrich, dass der Vereinsbeitrag
nicht die Kinderbetreuung einschließt: ,,Es müssen zusätzlich
Kinderbetreuungskosten bezahlt werden. Da deren Höhe auch von den Zuschüssen
abhängt, die im Moment noch nicht feststehen, können wir noch nichts über die
genauen Betreuungskosten sagen. Der im Regel-kindergarten übliche Beitrag soll
jedoch nicht überschritten werden.“ Finanziell in Not geratenen Mitgliedern
kann die Zahlung von Beiträgen vom erweiterten Vorstand gestundet oder gar ganz
erlassen werden.
Ruf würdigte im Anschluss an die
Wahl den eifrigen Einsatz der beiden Initiatorinnen: ,,Sie haben
lokomotiveartig das Projekt in Gang gebracht.“
Die nächsten Aktionen werden
organisierte Waldspaziergänge sein, die ein gegenseitiges Kennenlernen und ein
Beschnuppern des vorgesehenen Waldstückes ermöglichen sollen. ,,Das Waldstück
"Brand‘ an der Straße zwischen Erbach und Eggingen (gegenüberein
Wanderparkplatz) ist in seiner Ursprünglichkeit ideal. Es wird nicht stark
bewirtschaftet und bietet so eine große Vielfalt an Pflanzen“; erklärte
Weixler.
Sollten alle Behördenkontakte so
erfreulich weiterlaufen wie bisher, dann könnte der neue Kindergarten schon im
März oder April 2001 aufmachen. Eine Gruppe von mindestens 10 Kindern würde von
einer Erzieherin und einer Hilfskraft betreut, 15 bis 20 Kinder erfordern zwei
Erzieherinnen und eine Person zur Unterstützung. Sollten mehr als 20 Kinder
Interesse haben, müsste eine Warteliste eröffnet wird. ,,Ein erst dreijähriges
Kind ist möglicherweise doch etwas überfordert. Die im Sommer vorgesehenen vier
Stunden im Wald sind körperlich ganz schön anstrengend“, fand Weixler, selbst
Mutter von drei Kindern.
Vor der nächsten
Mitgliederversammlung (voraussichtlich im Oktober) hat der neue Vorstand
Hausaufgaben zu machen: Das pädagogische Konzept, eine Kindergartenordnung und
die Finanzierung muß stehen.
Wer sich für den
Waldkindergarten interessiert, kann an den Spaziergängen (mit Führung) am 25.
Juli; . 22. August, 5. September und 3. Oktober teilnehmen. . Treffpunkt ist
bei Wind und Wetter jeweils um 9.30 Uhr am Parkplatz beim Waldstück Brand
(Straße von Erbach nach Eggingen.) Ansprechpartner sind Martina Graf, Tel.
07305/ 7500, und Tina Weixler, Tel. 07305/23 391
Kostenloses
Grundstück für einen Waldkindergarten
Schwäbische
Zeitung 20.5.2000
ERBACH —Wer seinem Kind auch im Kindergarten frische Luft wünscht, kann den Sprössling wahrscheinlich im Frühjahr 2001 in Erbach in einen Waldkindergarten bringen. Eine Privatinitiative will nach Pfingsten die Vereinsgründung angehen. Constantin Freiherr von Ulm-Erbach will ein Waldstück kostenlos zur Verfügung stellen.
Von unserer Mitarbeiterin
Marianne Schneider-Langer
Martina Weixler und Martina Graf,
die Macherinnen der Initiative, liebäugeln schon seit geraumer Zeit mit dem
Modell Waldkindergarten, das zum ersten Mal 1991 im Flensburg erprobt wurde und
inzwischen allein in Baden-Württemberg schon 40 Nachahmer gefunden hat. Sie
waren hoch erfreut als Constantin Freiherr von Ulm-Erbach in der Diskussion im
Gemeinderat um einen zusätzlichen Kindergarten das Thema
"Waldkindergarten“ angesprochen hat. ,,Wir haben eine kleine Umfrage in
den Erbacher Kindergärten gemacht und hatten auf Anhieb 15 Interessenten“,
berichtet Weixler. Davon ermuntert, führten sie ein Gespräch mit der Gemeindeverwaltung,
die der Initiative grünes Licht gab. ,,Die Gemeinde will nicht Träger dieser
Einrichtung sein, gegen einen privaten Verein hat sie jedoch nichts
einzuwenden“, erläutert Weixler.
Der Freiherr von Ulm-Erbach kündigte
an, dass er ein Waldstück kostenlos zur Verfügung stellen könnte. ,,Das
Waldstück Brand" Richtung Eggingen halte ich für geeignet. Feld und Wald
wechseln sich ab. Das Gelände ist überschaubar und abwechslungsreich zugleich.
Außerdem gibt es einen Wanderparkplatz in der Nähe“, sagte er. Ein
"Gestaltungsvertrag“ zwischen ihm und dem Kindergartenträger würde die
Einzelheiten regeln. ,,Die Haftung muss ausgeschlossen, Überfahrtsrechte
geklärt und Vereinbarungen für Abfall und Feuer getroffen werden“, erklärte er.
Die Bezuschussung durch die Gemeinde steht für ihn als Gemeinderat außer Frage.
,,Derzeit bezuschusst die Gemeinde Erbach ein Kindergartenkind mit 3000 Mark im
Jahr, Landeszuschüsse kommen noch hinzu. Solange die Kosten nicht über die der
anderen Kindergärten hinausgehen, sehe ich keine Probleme.“ Selbstverständlich
sei, dass es sich nur um ein zusätzliches Angebot handeln könne. ,,Um die
gesetzlich vorgeschriebenen Kindergartenplätze zu garantieren, müssen genügend
Regelkindergärten vorhanden sein. Der Waldkindergarten kann die Überzahl in den
anderen Kindergärten abschöpfen, aber wir können niemanden zwingen, sein Kind
in den Wald zu schicken“, betonte er.
Vereinsgründung‘ Betriebserlaubnis
vom Landesjugendamt, Zuschussantrag: Alf dies kommt auf die Initiative in den
nächsten Wochen zu. ,,Bis Herbst werden wir es sicher nicht schaffen, aber im
Frühjahr 2001 einzusteigen, wäre schön“, erklärte Graf. Besonders die prompte
Zustimmung von 20 interessierten Eltern und ihre Bereitschaft zur Mitarbeit
habe die Macherinnen motiviert. Die Kindergartenbeiträge sollen ähnlich denen
der Regelkindergärten sein, um keinen Interessenten aus finanziellen Gründen
auszuschließen. ,,Wir wollen keinen Kindergarten für Privilegierte“,
unterstreicht Graf. ,,Außerdem sehen wir uns auf keinen Fall als Konkurrenz.
Wir machen lediglich ein zusätzliches pädagogisches Angebot.“
Informationen über die
Initiative gibt es bei Martina Graf (07305/7500) und Martina Weixler
07305/23391.
„Die
Kinder lieben ihren Wald und sorgen sich um ihn“
Schwäbische
Zeitung 20.5.2000
ERBACH (msl) — Drei bis vier Stunden halten sich die Kinder eines Waldkindergartens täglich in "ihrem“ Wald auf. Für extreme Witterungsverhältnisse steht eine Hütte oder ein Bauwagen zur Verfügung, ansonsten wird im Wald gespielt, getobt und gebastelt, Sommer wie Winter. Waltraud Manaa aus Berglen bei Stuttgart berichtete darüber in einem Vortrag in Erbach.
Manaa hat vor sechs Jahren den
ersten Kindergarten dieser Art in Baden-Württemberg gegründet. Selbst auf einer
Landwirtschaft aufgewachsen, zehrt sie noch heute von ihrer Kindheit, die sich
vorzugsweise im Freien abspielte, sagt sie. ,,Der kindliche Bewegungsdrang ist
genetisch angelegt. Die artgerechte Haltung der Kinder, die sich in der Regel
im Raum abspielt und nur ab und zu im Freien, lässt diesen Drang verkümmern“,
unterstreicht sie. Heute sei bekannt, dass die Bewegung nicht nur die
Motorikschule, sondern auch für die ganze Entwicklung und das Denkvermögen der
Kinder wichtig sei. Auf Bäume klettern, Material zum Bauen sammeln, über Gräben
springen trainiert Bewegungsabläufe. ,,Zweiter Vorteil ist die engere Beziehung
zur Natur. Die Kinder lieben ihren Wald und sorgen sich um ihn Müll trennen ist
wichtig, aber es schafft noch keine Nähe zur Natur, die Voraussetzung für
Umweltbewusstsein ist“, betonte Manaa.
Gespielt wird mit dem, was
vorgefunden wird. Auf einem kleinen Bollerwagen nehmen die Erzieherinnen
Werkzeuge mit, damit gesägt oder geschnitzt werden kann. Der Kreativität der
Kinder bleibt es überlassen, ob ein Zwergenhaus oder Mikadostäbchen entstehen.
Auf dem Bollerwagen befinden sich auch heißes Wasser zum Händewaschen und Tee
für die Kinder. ,,Jedes Kind hat Becher, ein kleines Handtuch und ein Stück
lso-Matte dabei. Wir sitzen zum Essen auf Baumstümpfen oder in unserem kleinen
Tipi, das sogar mittlerem Regen standhält“, schildert Manaa.
Im übrigen sei Regen kein Problem:
,,Zur Not können wir auch in den Bauwagen, und im Winter ist warme Kleidung
angesagt. Bis jetzt ist noch nie ein Kind wegen der Witterung weggeblieben“.
Regenwetter erweitert sogar die Möglichkeiten: zum Beispiel mit einem Stock
Pfützen leeren oder den Matsch durch die Füße quellen lassen.
Mit dem Schmutz können sich die
meisten Eltern abfinden, nicht jedoch mit Zecken und Fuchsbandwurm. ,,Essen
dürfen die Kinder aus dem Wald gar nichts, und auf Zecken muss täglich
kontrolliert werden. Aber davor sind die Kinder auch außerhalb des Waldes nicht
geschützt“, sagt Manaa. Ansonsten stärke der Aufenthalt im Freien das
Immunsystem "das gefährlichste am Waldkindergarten ist die Fahrt dorthin.“
Adel edelt: Ein Wald vom Baron
Südwest
Presse 19.5.2000
WALDKlNDERGARTEN / Initiative
erhält Gelände
Freiherr
stellt Grundstück zur Verfügung
Die Bürgerinitiative
Waldkindergarten-Erbach erhält für Ihren im nächsten Frühjahr geplanten
Kindergarten ein Grundstück von Constantin Freiherr von Ulm-Erbach.
MICHAEL MAYER
ERBACH · Ein etwa 30 Hektar großes Grundstück aus seinem Privatbesitz
will der Barom Constantin Freiherr von Ulm-Erbach der Bürgerinitiative
Waldkindergarten-Erbach zur Verfügung stellen. Das hat der Baron am Mittwoch
bei einem Informationsabend der Bürgerinitiative zugesagt. Das teilweise mit
Nadel- und Laubholz bewaldete Grundstück liege zwischen Erbach und Eggingen:
,,Dort spielen jetzt schon Kinder“, sagte er vor etwa 25 Zuhörern.
Die Bürgerinitiative hatte sich im
April gegründet. Etwa 10 Mütter und Väter seien dabei, sagte eine der
Initiatonnnen, Martina Graf. Den Anstoß für das Projekt habe der Baron gegeben,
sagte Graf. Grund sei die Kindergartensitution in Erbach; viele der
Kindergärten seien überbelegt.
Und genau deshalb sei die Zeit
günstig um im Gemeinderat das Projektvorzustellen und die Frage der
Finanzierung anzusprechen, sagte Constantin Freiherr von Ulm-Erbach, der auch
CDU-Gemeinderat ist. Aber man wolle keine Kinder aus anderen Kindergärten
rausziehen; der Waldkindergarten solle ein zusätzliches Angebot werden, sagte
er.
CDU-Gemeinderat Hans Seemann
unterstützte das Anliegen. Der Gemeinderat stehe dem Waldkindergarten positiv
gegenüber: ,,Wir werden das unterstützen“;-über konkrete Kosten sei allerdings
noch nicht gesprochen worden. Ulm-Erbach machte sich für den Waldkindergarten
stark: ,,Ich habe den Wald vor dem Haus, da seh‘ ich die Vorteile an meinen
eigenen Kindern.“ Die Kinder würden im Wald flexibler werden. Und genau das
fordere doch die Wirtschaft vom Nachwuchs immer mehr ein.
Für den Zugang verlange er nichts:
,,Da wird ein Gestattungsvertrag geschlossen.“ Allerdings: Die forstwirtschaftliche
Nutzung und die Jagd müssten weiterhin möglich sein, sagte er. Außerdem sollten
Kinder frühzeitig ein ausgewogenes Verhältnis zur Natur bekommen, meint er.
,,Wenn ich das schon höre:
so was mit Augen ess' ich nicht.“
Nicht nur Privilegierte
Ob der Beitrag zu dem
Waldkindergarten mehr betrage als die zu den anderen Kindergärten in Erbach,
wollte eine Zuhörerin wissen. Schließlich dürfe der Besuch keine Sache für die
,,Privilegierten“ werden. Die Beiträge für die Kindergärten in Erbach sollten
eigentlich alle ungefähr gleich sein, antwortete er. Aber von den Eltern der
Waldkindergärten-Kinder werde sicherlich
mehr Einsatz verlangt. Das müsste
man auch positiv sehen, mitwirken heißt auch immer mitgestalten“. Eingeladen
hatte die Intitiative auch Waltraud Manna, die Gründerin des ersten
Waldkindergartens in Deutschland. Sie berichtete aus der Praxis und erzählte
von Problemen, die sie bei der Gründung des Waldkindergartens mit den Nachbarn
hatte: Anonyme Drohungen und Anrufe seien an der Tagesordnung gewesen: ,,Da
haben damals bürgerkriegsähnliche Zustände geherrscht“ Später habe es dann nur
noch geheißen: ,,Das sind Verrückte“.
Süddeutsche
Zeitung 6.5.2000
ERZIEHUNG
/ Eltern wollen einen Waldkindergarten
Den lieben langen Tag durch den Wald
stromern und spielen, spielen, spielen. Diesen Kindertraum wollen erwachsene
Erbacher für ihren Nachwuchs wahr werden lassen.
IRMI STADELE
ERBACH · Erbach soll einen Waldkindergarten bekommen. Das streben ein
Dutzend Mütter an, die sich dieser Tage zu einer Initiative zusammengeschlossen
haben.,, Ein Waldkindergarten hat eine Vielzahl von Vorteilen“, sagt Martina
Weix1er, Mutter von drei Kindern, "die Gruppen sind kleiner, die Kinder
sind meistens draußen — das stärkt die Abwehr -, und sie bekommen ganz früh
eine Bindung zu Natur.“
Schon im Februar hatte
CDU-Gemeinderat Constantin Ulm-Erbach die Idee in einer Sitzung vorgetragen.
Die Ratskollegen waren zwar nicht komplett abgeneigt. Zuerst aber solle
sondiert werden, ob es überhaupt Interessenten gebe. Allerdings sprachen sich
etliche Räte dagegen aus, einen Waldkindergarten unter Trägerschaft der
Gemeinde zu führen: ,,Das ginge nur als Privatinitiative, die dann von der
Gemeinde bezuschusst wird“, sagte SPD-Sprecher Elmar Röhr.
Martina Weixler zufolge würden 15
Eltern ihre Kinder gerne in einen Waldkindergarten schicken. Bürgermeister Paul
Roth habe derweil zugesichert, die Initiative zu unterstützen. ,,Über die
Finanzierung und Zahlen haben wir aber noch nicht gesprochen“, sagt Weixler.
Am Mittwoch, 17. Mai, (19.30
Uhr) lädt die Initiative zu einer lnformationsveranstaltung in den Silchersaal.
Südwest
Presse 9.2.2000
ERZIEHUNG
/ Diskussion über Aufgaben einer Gemeinde
Wie
im Märchen: Hänsel und Gretel im Wald sind Privatsache
In Erbach wird es einen neuen Kindergarten geben - mit zwei oder mit drei Gruppen. Anders kann die Gemeinde den Rechtsanspruch für Dreijährige nicht erfüllen. Ob sich die ganz kleinen Erbacher aber wie Hänsel und Gretel durch den Wald schlagen werden, ist noch offen.
IRMI STADELE
ERBACH U Schon in diesem Jahr soll
Erbach mit der Planung für den Bau eines neuen Kindergartens anfangen.
Mindestens zwei Gruppen soll er haben. Wo er gebaut wird, ist noch nicht ganz
klar, aber mit großer Sicherheit irgendwo im Norden der Gemeinde, dort, wo
derzeit die neuen Baugebiete entstehen.
Der Kindergartenwunsch entspringt
nicht ausschließlich der Überzeugung von Verwaltung und Räten. Die Gemeinde
kann gar nicht anders, weil sie verpflichtet ist, allen Dreijährigen einen
Kindergartenplatz zu gewähren. Wie aus dem Kindergartenbericht hervorging, den
Bürgermeister Paul Roth im Verwaltungsausschuss erläuterte, fehlen auch im
Teilort Bach ein paar Plätze. Dort könnte das Dachgeschoss des bestehenden
Kindergartens für eine zusätzliche Gruppe ausgebaut werden.
In der Saison 2000/2001 werden in
Erbach 57 Kinder drei Jahre alt. Nach derzeitigen Erkenntnissen beanspruchen rund
90 Prozent der Eltern Plätze für ihre Dreijährigen. Damit fehlten immer noch 51
Plätze —ein Aufstocken um mindestens zwei Gruppen ist also unumgänglich.
So waren sich im Grundsätzlichen
denn auch alle Fraktionen einig: ,,Baldmöglichst“ müsse die Planung auf den Weg
gebracht werden. Zudem solle, um den Erfordernissen der heutigen Zeit Genüge zu
tun, eine Ganztagsgruppe eingerichtet werden, forderte SPD-Fraktionschef Elmar
Röhr. Ganz in seinem Sinne, schloss sich CDU-Mann Constantin von Ulm-Erbach an,
aber es gebe da noch eine weitere spannende Möglichkeit: einen
Waldkindergarten.
Nur als Zusatzangebot?
Und was das ist, erläuterte der
Konservative umgehend: In einer etwas kürzeren Kernzeit sind die etwas
kleineren Kindergruppen im Wald, drei bis vier Stunden vielleicht. Mal
abgesehen von einer Notunterkunft, "einer Hütte oder einem Bauwagen“, sind
die Kinder immer draußen. Dadurch wachsen Naturverständnis, Bewegungsfreude,
Kreativität ("Spielen ohne Spielzeug“) und das Immunsystem wird stärker.
Das Ganze sei weder billiger noch teurer als ein konventioneller Kindergarten:
Die Gruppen müssten mit 17 bis 20 Kindern kleiner sein als konventionelle,
bräuchten dennoch zwei Erzieher, dafür aber seien die Gebäudekosten zu
vernachlässigen.
Bürgermeister Roth rückte des
Gemeinderats Idee gleich zurecht:
,,Das kann aber nur ein zusätzliches
Angebot sein.“ Ebenso fasziniert sagte FWV-Fraktionssprecher Fritz-Martin
Fetzer: ,,Wir brauchen für unsere Kinder einen Kindergarten und schicken sie
nicht wie Hänsel und Gretel in den Wald.“
Weniger Freude hatte SPD-Sprecher
Elmar Röhr an der Idee, die er zwar nicht an sich verteufelte, aber doch weit
aus der Lichtung der Gemeindeaufgaben wies: ,,Das kann nicht eine Initiative
oder Aufgabe der Gemeinde sein. Das ginge nur als Privatinitiative, die dann
von der Gemeinde bezuschusst wird.“ Worauf sich Ulm-Erbach beeilte, zu
beteuern, dass er freilich nicht das eine durch das andere ersetzen wolle.
Nichts gegen den konventionellen Kindergarten.
Er hoffe aber, dass sich die Eltern,
die Interesse an der Waldvariante haben, in den Kindergärten melden, damit eine
Übersicht entstehen könne, ob so etwas überhaupt gefragt sei — Privatinitiative
hin, Gemeindeangebot her, der Verwaltungsausschuss beschloss einstimmig, die
Planung für einen neuen Kindergarten mit mindestens zwei Gruppen auf den Weg zu
bringen.
Waldkindergärten in Baden-Württemberg
Südwestpresse 25.9.2000
Äste und Moos ersetzen Legosteine
Im Waldkindergarten finden Buben und Mädchen zum
natürlichen Spielen zurück
Sie heißen Waldwichtel, Eichhörnchen, Kleine Füchse oder
Wurzelzwerge. Hinter den geheimnisvollen Namen stecken Vereine, die
Waldkindergärten unterhalten. Diese Horte ohne Tür und Wände schießen seit
einigen Jahren wie Pilze aus dem Boden.
INGE LEIFICK
,,Zeigt her eure Füße, zeigt her eure
Schuh‘ und sehet den fleißigen Waldkindern zu. Sie schnitzen, sie schnitzen , sie schnitzen den ganzen
Tag.. .,, Zwölf Kinder im Alter von drei bis fünf Jahren stehen mit ihren
beiden Erzieherinnen Barbara Pelgen, Karin Stark und der Praktikantin Barbara Digel im Kreis und singen. Dieses
Morgen- und Begrüßungsritual findet jedoch nicht in den Räumen eines
Kindergartens, sondern im Wald, genauer im Schlossberg-Wald in Tübingen statt.
Denn die Gruppe besucht den Waldkindergarten "Eichhörnchen“. Barbara Pelgen legt Blätter und Früchte auf
den Boden und fragt, zu welchen Bäumen sie gehören. ,,Eiche“, ruft Sonja, noch
bevor die anderen überlegt haben. Nachdem die Buben und Mädchen Haselnüsse und
Bucheckern den richtigen Blättern zugeordnet haben, geht es weiter, tiefer in
den Wald hinein. Thilo sucht sich einen Stock. Sarah zieht den Bollerwagen mit
den Getränken. Die anderen Kinder trampeln im Laub herum, pflücken verblühte
Blumen oder rennen schreiend voraus. Plötzlich ruft Sarah "ein
Eichhörnchen, ein Eichhörnchen. .
Es ist nie langweilig
Der Kindergarten ohne Dach und Wände
besteht seit Apr11 1996. 20 Kinder werden von Montag bis Freitag von 7.30 bis 13.30
Uhr im Schlossberg-Wald betreut. Kindergartenräume gibt es nicht. Die Kleinen
sind bei Sonne, Wind, Regen und Schnee draußen. Sollte es einmal ganz
unwirtlich werden, finden sie im Blockhaus des Vereins Unterschlupf, das mit
einem Holzofen geheizt werden kann. Vor dem Haus stehen Holzbänke um einen
großen Tisch: Hier basteln Thilo, Sarah und ihre Freunde. An diesem Vormittag
wollen sie unbedingt Körner aus Getreideähren klopfen, um sie zu Mehl zu
zermahlen. ,,Es ist nie langweilig. Die Natur bietet so viel Möglichkeiten,
sich zu beschäftigen“. sagt Karin Stark, die seit drei Jahren mit Kindern in
den Wald zieht. Sie bedauert, dass der Aktionsradius ihrer Zöglinge derzeit
etwas eingeschränkt ist, denn Orkan "Lothar“ hat auch im Revier der
Eichhörnchen gewütet. So kann das Waldsofa nicht benutzt werden; quer über dem
Sitzkreis aus Zweigen liegt eine Eiche. Bis die umgelegenen Bäume weggeräumt
sind,, dürfen die Kinder nur noch auf
einem kleinen Gebiet, das der Förster freigegeben hat, herumtollen. Doch das scheint die Buben
und Mädchen nicht zu stören. ,,Ich finde es gut, dass wir hier klettern und
sägen können" sagt Sonja. ,,Im Waldkindergarten finden die Kinder zum
natürlichen Spielen zurück ohne dass sie ständig angeleitet werden“, sagt
Thomas Klingseis, Mitglied im Vereinsvorstand und Re~ gionalbeauftragter für
Südwest-Deutschland des Bundesarbeitskreises Waldkindergärten. in den
vergangenen sieben Jahren sind bundesweit allerorten Waldkindergärten gegründet
worden. Im Bundesarbeitskreis tauschen die Waldwichtel, Kleinen Füchse und
Wurzelkinder ihre Erfahrungen aus. Vor allem in Baden-Württemberg hat die Idee,
die 1951 erstmals in Dänemark umgesetzt worden war, gegriffen. Hier schießen
Waldkindergärten wie Pilze aus dem Boden. Buben und Mädchen können mit
Erzieherinnen in mehr als 40 Kindergärten im Wald toben. Und es werden immer
mehr. Das. Landesjugendamt kann sich vor Anfragen von Kommunen und
interessierten Eltern kaum retten. ,,Diese Pädagogik ist inzwischen etabliert.
Sie ist landesweit anerkannt. Die Nachfrage ist enorm“, sagt Roth Nellessen.
Die Mitarbeiterin des Landesjugendamtes verweist darauf, dass sich auch
Regelkindergärten mit dem Konzept angefreundet haben und regelmäßig einen
Waldtag anbieten. Die meisten Waldkindergärten haben Vereine als Träger. Sie
finanzieren sich wie normale Kindergärten über Elternbeiträge (100 bis 150 Mark
im Monat) und Zuschüsse von Kommunen und dem Land. In Bayern bestehen größere
Hürden für Vereine. So hat sich der Waldkindergarten in
Weißenhorn (Landkreis Neu-Ulm ) unter das Dach der katholischen Kirche begeben.
Keine Spielsachen
Die Betriebskosten der Waldkindergärten
sind gering, da kein Gebäude unterhalten werden muss. Auch Spielsachen werden keine
gekauft. Legosteine oder Autos gibt es hier nicht. Die Sprösslinge basteln
Puppen aus Ästen, bauen Hütten aus Zweigen und Nester aus Moos, lernen Tiere
und Pflanzen kennen. ,,Die Kinder sollen Natur erleben und sich entfalten
können. Ihre Entwicklung wird vom Umgang mit der Natur geprägt und nicht vom
Konsum“, nennt Irmela Burkowitz, Mitglied des Vorstandes des Vereins
Waldwichtel, als pädagogisches Ziel. Der Verein unterhält Waldkindergärten in
Pfullingen, Reutlingen und Eningen. Wie in den meisten Einrichtungen wird den
Eltern auch in Pfullingen viel an Mitarbeit abverlangt. Sie müssen sich unter
anderem an Putzaktionen beteiligen oder Gruppen begleiten. Das stärkt den
Zusammenhalt unter den Müttern und Vätern.
Motorik wird
gefördert
Doch vor allem profitieren die Kinder.
,,Sie sind wesentlich ausgeglichener und kommen ruhiger nach Hause“, betont
Irmela Burkowitz. Die Kleinen hätten viel Bewegung und würden so in der Motorik
gefördert. Weitere Vorteile: Da die Sprösslinge den ganzen Tag an der frischen
Luft sind, wird ihr Immunsystem gestärkt; sie leiden weniger als andere Kinder
an Infektionskrankheiten. Auch Haltungsschäden durch zu viel Sitzen kann
vorgebeugt werden. Das körperliche und seelische Gleichgewicht wird
stabilisiert. Die Kinder lernen, was Natur bedeutet, übernehmen Verantwortung
für die Umwelt. Doch hat diese andere Art von Kindergarten nicht nur Vorzüge.
Zum einen können sich die Kinder im Wald Zecken einfangen. Zum anderen sind
viele nur Halbtags-Einrichtungen. In Pfullingen etwa werden die Kinder von 9
bis 12.30 Uhr betreut, somit können die Mütter nicht arbeiten gehen. Bei
Halbtags-Betreuung besteht zudem keine Möglichkeit, eine Praktikantin zu
bekommen. Kritiker haben Sorge, dass die Waldkinder nicht auf die Schule
vorbereitet würden und nach der Einschulung nicht stillsitzen könnten. Diese
Bedenken teilt Roth Neuessen nicht. Die Kinder könnten in der Schule sehr wohl
stillsitzen. Sie hätten ihren Bewegungsdrang voll ausgelebt und seien bereit,
Wissen aufzunehmen. In Waldkindergärten würden andere Schwerpunkte gesetzt, die
Kinder würden aber dennoch gefördert. So wirke sich die gute Motorik
ganzheitlich auf das Kind aus. ,,Die Waldkinder agieren wesentlich
selbstständiger als andere Kinder und ihre Kreativität ist stärker entwickelt.“
INFO
Weitere Informationen erteilt Roth Nellesseh vom Landesjugendamt in
Stuttgart, m 0711/6375-427; unter dem Stichwort Waldkindergarten stellen sich im Internet verschiedene
Einrichtungen vor; eine Liste der Waldkindergarten ist auf der Homepage des Bundesarbeitskreises Natur-und
Waldkindergärten zu finden: www.waldkinder.de